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Der Kuß vor dem Tode [VHS]

Der Kuß vor dem Tode [VHS]

Quelle: Amazon

EAN: 0044004466639
Herausgeber: Universal/4 Front Video

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Der Kuß vor dem Tode [VHS]
 

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Schmalspur-Hommage an Hitchcock

Datum:17.06.2010 - Rating: 4/5

Gerade hat Dorothy Carlsson (Sean Young), die Tochter des schwerreichen Kupfer-Barons Thor Carlsson (Max von Sydow), an der Universität von Pennsylvania an einer Vorlesung des SS 1987 teilgenommen, in der auch Nietzsche's amoralischer Übermensch erwähnt wird, da trifft sie unwissentlich einen derartigen skrupellosen Soziopathen, ihren Freund Jonathan Corliss (Matt Dillon), vor einem Standesamt der Stadt Philadelphia, wo sie beiden verabredet sind, um heimlich zu heiraten. Doch Jonathan, der um strikte Geheimhaltung ihrer Beziehung bemüht war, hat den Termin absichtlich so gewählt, dass seine Freundin mit ihm in der Mittagspause der Angestellten vor verschlossener Tür steht. Während der Wartezeit ermordet er Dorothy schnell und ohne Gewissensbisse und wirft einen Abschiedsbrief in einen nahe gelegenen Briefkasten, der seinen Mord als Selbstmord Dorothys erscheinen lässt. Jonathan lebt zu dieser Zeit nach seinem Universitätsabschluss scheinbar ziel- und planlos in einer ärmlichen Gegend der Stadt Pittsburgh in dem kleinen Haus nahe der Bahngleise zusammen mit seiner konservativen und fleißigen Mutter und arbeitet in einem Fast Food-Restaurant. Dorothys Zwilingsschwester Ellen (Sean Young), die in New York als freiwillige Sozialarbeiterin arbeitet, glaubt nicht an einen Selbstmord ihrer schwangeren Schwester und stellt Nachforschungen an der Universität in Philadelphia an. Jonathan Corliss gelingt es, den Verdacht auf einen Campus-Freund von Dorothy zu lenken, nachdem er diesen Studenten auch ermordet hat, bevor dieser Ellen weiterhelfen kann. Ellen gerät in New York ebenfalls an Jonathan, der die Identität eines von ihm ermordeten jungen Mannes, Jay Farraday, angenommen hat. Jonathan alias Jay macht sich bei ihr beliebt, indem er, wie sie, als Streetworker arbeitet, gewinnt sie ebenfalls als Freundin und wird bald auch ihrem einflussreichen Vater vorgestellt. Sein Ziel ist es, in die Familie von Thor Carlsson einzuheiraten, nachdem er vorher dessen Kinder bis auf seine zukünftige Ehefrau aus dem Weg geräumt hat. Dies gelingt ihm, und er beginnt Karriere in der Verwaltung von Thor Carlsson's Hüttenwerk zu machen. Jedoch muss er bald den nächsten Mord begehen, um seine bisherigen Untaten zu verschleiern. Aber dieser Mord an einer Kommilitonin von Dorothy, die Ellen etwas über Dorothyss damaligen Freund Jonathan mitteilen wollte, bringt Ellen zum Nachdenken. Sie merkt auch, dass Jonathan sich durch die Arbeit von ihr entfremdet und sie möglicherweise nur benutzt hat. Ellen engagiert einen Detektiv und nimmt ihre unterbrochenen eigenen Nachforschungen wieder auf. Dabei gerät sie selbst in tödliche Gefahr, als Jonathan merkt, dass seine Ehefrau ihm auf die Schliche kommt.

"Der Kuss von der Tode" (A kiss before dying, USA 1991) erinnert in vielen Details an die filmische Erzähltechnik Alfred Hitchcocks, dessen Todestag (29.04.1980) sich in diesem Jahr zum dreißigsten Mal jährte. Der Anfang ist sehr schnell erzählt und ehe man sich versieht, ist Dorothy, die man für eine Hauptperson des Films hielt, durch einen Sturz aus großer Höhe getötet worden. Der Tod durch einen Sturz aus großer Höhe ist ein immer wiederkehrendes Motiv in Filmen von Alfred Hitchcock (z.B. in "Foreign Correspondent", "Vertigo"). Bezeichnenderweise sitzt Dorothys Schwester Ellen auch an einer Stelle des Film (nach einer Stunde Laufzeit) vor dem Fernseher und sieht sich Hitchcock's "Vertigo" an. Die Bedrohung geht sowohl in vielen von Hitchcocks Filmen als auch hier von Freunden und Liebespartnern aus, denen die Hauptperson beginnt zu misstrauen. Zwei Opfer von Jonathan werden von ihm erwürgt. Man erinnere sich daran, dass Hitchcock immer gerne auf Einladungen vorführte, wie man Frauen am besten erwürgt (wovon es eine Reihe von Fotos gibt, die ihn mit viel Freude bei der Geste des Erwürgens zeigen). Seine Mörder in "Strangers on a Train" (auf einem Filmplakat stand sogar "Strang(l)ers on a Train!) und "Shadow of a Doubt", seinem Lieblingsfilm, töten ebenfalls durch Erwürgen. Eine ermordete Frau wird von Jonathan Corliss im Bad eines Hotelzimmers in Stücke zersägt, während wir nur die Geräusche der Säge hören und die Kamera langsam auf die Badezimmertür zufährt, die einen Spalt offen steht, um uns Voyeure einzuladen. Die nächste Einstellung zeigt Jonathan aus der Vogelperspektive von der Decke des Badezimmers herabblickend gefilmt, wie er gerade die blutverschmierte Badewanne putzt, in der er sein Opfer zerlegt hat. Fotografisch ist der Film, von solchen Kunstgriffen abgesehen, leider doch weitgehend unspektakulär. Viele Szenen sind sehr einfach und ohne Betonung ausgeleuchtet und entbehren einer einfallsreichen Kameraführung. Nebendarsteller sind unauffällige Dutzendware. Hitchcock dagegen hat den visuellen Details seiner Filme und den Nebendarstellern oft große Mühe angedeihen lassen, und beleuchtungstechnisch sind seine Meisterwerke meist auch sehr ausgefeilt, indem er Details durch Licht betonte. Dies fehlt in "Der Kuss vor dem Tode" völlig, auch wenn es eine Hitchcock-Hommage ist Oft würde man gerne mehr von der Umgebung sehen, aber der Bildausschnitt ist (zu) eng gewählt. Thor Carlsson's Reichtum kommt ebenfalls nicht sehr gut durch Zurschaustellung von Büros und Immobilien zur Geltung. Für heutige Verhältnisse wirkt bereits zwanzig Jahre später alles zu moderat als Ambiente eines Milliardärs. Die schauspielerischen Leistungen fand ich eher durchschnittlich, und die Personen, die dargestellt werden, sind ziemlich eindimensional im Charakter. Matt Dillon hat sowieso schon eine leicht bedrohliche Ausstrahlung und kann dies auch durch Freundlichkeit nie ganz verbergen. Corliss' Mutter dagegen wird sehr überzeugend dargestellt. Natürlich wohnt der Mörder alleine bei seiner dominanten Mutter, was ebenfalls wieder einen Bezug zu Hitchcock'schen Helden ("Die Vögel") und Antihelden ("Psycho") herstellt. In Corliss Elternhaus hängen sogar Bilder mit Vögeln wie bei Norman Bates aus "Psycho". Spärlicher Wortwitz in den Dialogen erinnert jedenfalls teilweise an die oft sehr amüsante Dialogpassagen in Hitchcock's Filmen ("Ich meine es todernst!"). Den schnell improvisierten Mord an dem ersten Zeugen fand ich in der Schnelligkeit der Durchführung technisch völlig unplausibel. Der Film schert sich manchmal nicht um Details der Glaubwürdigkeit und Forensik. Trotzdem, er hat doch für mich das gewisse Etwas, das ihn von vielen schlechteren Kriminalfilmen abhebt, weshalb ich den Film gut bewertet habe.

Gut inszenierter, spannender Thriller mit Matt Dillon in einer seiner besten Rollen

Datum:14.01.2010 - Rating: 5/5

"A Kiss Before Dying" war im Ursprung der allererste Roman, den Autor Ira Levin ("Rosemary's Baby", "Sliver", "Die Frauen Von Stepford") 1953 veröffentlicht hatte und wofür er im Folgejahr auch eine Auszeichnung für den "Besten Erstlingsroman" erhielt. 1956 wurde er erstmals verfilmt, mit Robert Wagner in der Hauptrolle.
1991 erschien dann das in den USA, wie in England gedrehte Remake von "A Kiss Before Dying", in den Hauptrollen: Matt Dillon, Sean Young und Max von Sydow.
Zur Handlung:
Jonathan Corliss (Matt Dillon) studiert an der Uni in Pennsylvania, wo er Dorothy Carlsson (Sean Young) kennen lernt. Bereits als Junge (der in eher bescheidenen Verhältnissen aufwuchs) sah er die Frachtzüge mit dem 'Carlsson Copper' Firmen-Emblaim auf den Bahngleisen hinter seinem Elternhaus vorbei fahren und heute, als junger Mann, sieht er in der Begegnung mit der Tochter des Großindustriellen Thor Carlsson (Max von Sydow) seine große Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg. Die beiden Studenten treffen sich regelmäßig und heimlich, doch dann wird Dorothy schwanger und da Jonathan fürchten muß, daß ihr Vater sie, aufgrund des Skandals eines unehelichen Kindes, womöglich enterben könnte, tötet Jonathan Dorothy und entwirft einen Plan B für sein Leben: Er geht nach New York und nimmt eine neue Identität an, jetzt nennt er sich Jay. In NYC macht er sich an Dorothy's Zwillingsschwester Ellen (ebenfalls Sean Young) heran, die nicht die geringste Ahnung davon hat, wer Jonathan wirklich ist und den Tod ihrer Schwester auch noch nicht überwunden hat. Sie pflegt noch losen Kontakt zu dem damals ermittelndem Polizeibeamten Dan Corelli (James Russo), den sie über ihre Verdachte in Kenntnis setzt. Denn sie recherchiert weiter, obwohl sie und Jay jetzt verheiratet sind. Jay hat sich hervorragend eingeführt in die Familie Carlsson und geht nicht nur mit Vater Thor angeln, sondern erhält auch noch einen Job im Unternehmen, als dessen persönlicher Assistent ... Jay hat erreicht, was er immer wollte! Doch hat er nicht vergessen, wie er sich den Weg dorthin geebnet hat und er muß auch weiterhin auf der Hut sein: Er verwischt alle Spuren seiner Vergangenheit, d.h. er schreckt auch vor weiteren Morden nicht zurück, wenn sich die Situation anbahnt, in der Menschen 'aus der Vergangenheit' Ellen Informationen über ihre Schwester und ihren damaligen Lover zukommen lassen könnten - Jay ist auf Zack. Er ist jetzt allerdings auch heftig eingespannt in Daddy's Unternehmen, die Eheleute verbringen weniger Zeit mit einander ... Zeit, die Ellen nutzt, ihren Intuitionen sowie neuen Erkenntnissen im Mordfall ihrer Schwester nachzugehen. Und so führt die Spur eines Tages nach Pennsylvania, zu dem Haus an den Bahngleisen ... und, wie nicht zum ersten Mal in diesem Film, taucht auch hier plötzlich Jay/Jonathan auf ... wird hier, wo für für Jonathan alles begann, auch alles enden ... ?

Ich habe den Roman von Ira Levin nicht gelesen, kenne aber sowohl Buch, wie Film im Falle von "Sliver" und "Rosemary's Baby". Wenngleich mir letzterer besser gefiel, so fand ich in beiden Fällen, daß die Spannung des Buches erfolgreich auch auf die Leinwand übertragen wurde - das liegt offenkundig an Levin's Erzählstruktur. Folglich müßte man "A Kiss Before Dying" eigentlich auch lesen, denn ich finde, der Film ist spannend inszeniert, transparent und schlüssig strukturiert. Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache, so weiß man z.B. bereits nach den AnfangsCredits alles wesentliche über Jonathan's Innenleben und nachdem diese vorüber sind, vergeht nicht viel Zeit bis zum ersten Mord. Und in ähnlichem Tempo (soverän, dabei zielgerichtet) verläuft der Film die gesamten 1 1/2 Stunden auch bis zu seinem Ende, langweilig wird's zu keiner Zeit. Ich bin nicht Matt Dillon's größter Fan, habe aber natürlich einige Filme mit ihm gesehen, doch - vielleicht mit Ausnahme von L.A. Crash - war er nie besser als in diesem. Sean Young soll seinerzeit für zuviel Distanziertheit in der Rollenverkörperung kritisiert worden sein, aus Gründen der optischen Präsenz (sowie dem Klang der Stimme!) hätte ich mir auch eine andere Hauptdarstellerin gewünscht, in ihrem Spiel finde ich sie dennoch überzeugend (als Dorothy gefällt sie mir besser). Max von Sydow verkörpert ebenfalls glaubhaft den gleichermaßen erfolgreichen, wie gebrochenen Mann (zuvor schon: Trennung von seiner Frau & Tod seines Sohnes). Das Persönlichkeitsprofil von Jonathan in punkto Kalkulation und Skrupellosigkeit weist gewisse Parallelen zu dem von 'Mr. Ripley' auf (welcher allerdings professioneller ist) und unter diesem Aspekt hat Regisseur James Dearden ("High Speed Money/Rogue Trader") den Charakter großartig in Szene gesetzt, der entsprechend von Dillon auch angemessen verkörpert wurde. Was die Story an subtileren, komplexeren psychologischen Komponenten, die den Plot zusammen schmieden, bereit hält, hat Deardon in der Gänze dieser Inszenierung kurzweilig, z.T. komprimiert, dabei prägnant und nachvollziehbar verarbeitet - das macht sie so gut. Wer die Stadt New York liebt, darf sich an der Inszenierung noch einmal erfreuen, in verschiedensten Augenblicken trägt die Stadtkulisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln immer wieder angenehm zur atmosphärischen Bildgestaltung bei.

Ich kenne bislang noch nicht die Originalversion aus 1956, weiß aber, daß manche das Original dieser Version vorziehen. Mir ging es allerdings schon in den Mitt90ern, als ich diesen Film erstmalig im TV sah, so, daß mir Story und Inszenierung sehr gut gefallen haben und ich freue mich darüber, die DVD jetzt zu besitzen. Meine Meinung hat sich nämlich bis heute nicht geändert: Ich finde den Film immer noch spannend und erteile daher die vollen 5 Sterne, er kann gar nicht enttäuschen.
Wem's ähnlich geht, wie mir oder wer "A Kiss Before Dying" (1991) jetzt erst kennen lernen möchte, dem wird's nicht ganz leicht gemacht, eine deutsche (und deutschsprachige) DVD-Version ist mir nicht bekannt, scheint es hierzulande nicht zu geben. Diese DVD ist eine amerikanische, d.h., sie ist mit Regionalcode: 1 (und keinen Extras) ausgestattet. Es gibt den Film aber wohl auch noch in einer anderen Auslandsversion (Hersteller, sowie RC ist mir nicht bekannt) und ebenfalls auf VHS.
Ich empfehle "A Kiss Before Dying" besten Gewissens jedem, der sich gern amerikanische Krimis/Thriller ansieht, wünsche viel Erfolg bei der Jagd nach einer adäquaten Ausgabe und noch viel mehr Spaß beim Ansehen. Er ist es wert!
-- theSilentNoirFreak

 

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